Unser Vorbild: Karl Freiherr vom und zum Stein

Denkmal Selm-Cappenberg

 

 

Gastbeitrag

Der Freiherr vom Stein – Vorbild für die Bürgerstiftung in Selm

 

Wie in zahlreichen anderen Orten der Region ist in Selm eine Bürgerstiftung gegründet worden. Gemeinsam mit Bürgerinnen, Bürgern und Unternehmen will diese Stiftung Verantwortung übernehmen, das soziale Miteinander gestalten und sich für das Gemeinwohl engagieren. Die Bürgerstiftung soll nicht in Wettbewerb zu anderen Organisationen treten, sondern möchte deren Angebot ergänzen.

Man sollte die Gestaltung unserer Zukunft und unseres Gemeinwesens nicht nur dem Staat, der Kommune und damit den in ihren Gremien aktiven Parteien überlassen. Art. 21 Abs. 1 des Grundgesetzes lautet zwar: „Die Parteien wirken bei der politischen Willensbildung des Volkes mit". Das heißt aber gleichzeitig, dass die primäre Verantwortung für das Gedeihen der Gesellschaft und – ganz konkret – unserer Stadt  bei uns Bürgern selbst liegt.

Gemeinnützige Stiftungen gibt es in Deutschland nachweisbar bereits seit dem 10. Jahrhundert. Gemeinsam haben alle, dass sie aus dem Geist der Mitmenschlichkeit hervorgegangen sind und dem Gemeinwohl zu dienen bestimmt sind.

Für eigenverantwortliches politisches und gesellschaftliches Handeln der Bürger trat zu seinen Lebzeiten schon der ehemalige preußische Staatsminister Reichsfreiherr Heinrich Friedrich Karl vom und zum Stein ein. Stein hatte 1816 vom preußischen Staat das auf dem Gebiet der heutigen Stadt Selm gelegene ehemalige Prämonstratenserstift Cappenberg erworben, das er in den Folgejahren zu seinem Alterssitz aus- und umbauen ließ. Bis zu seinem Tode im Jahre 1831 verbrachte Stein nun die meiste Zeit in Cappenberg.

Mit regem Interesse verfolgte Stein die politische Entwicklung in Deutschland. In den Jahren 1826 bis 1830 nahm er in seiner Funktion als Marschall des Westfälischen Provinziallandtages regen Anteil an der Gesetzgebung in Westfalen. Leitfaden seines politischen und sozialen Handelns bildete die von ihm im August 1807 als Reformprogramm verfasste Nassauer Denkschrift. In deren Zentrum stand die Reform der Verwaltung, wozu die Forderung nach Selbstverwaltung für Provinzen, Kreise und Gemeinden gehörte. Stein orientierte sich dabei weniger an damals modernen Staats- und Verfassungstheorien, sondern griff auf das Vorbild der älteren ständischen Verfassung zurück, wie er sie in Westfalen kennen gelernt hatte.

Für Stein spielten in dieser Frage nicht nur funktionelle Erwägungen, sondern in erster Linie politisch-pädagogische Ziele eine Rolle. Er formulierte: „...Ersparung an Verwaltungskosten ist aber der weniger bedeutende Gewinn, der erhalten wird durch die vorgeschlagene Teilnahme der Eigentümer an der Provinzialverwaltung, sondern weit wichtiger ist die Belebung des Gemeingeistes und Bürgersinns, die Benutzung der schlafenden oder falsch geleiteten Kräfte und der zerstreut liegenden Kenntnisse, der Einklang zwischen dem Geist der Nation, ihren Ansichten und Bedürfnissen und denen der Staatsbehörden, die Wiederbelebung der Gefühle für Vaterland, Selbständigkeit, Nationalehre."

Steins persönliches Handeln wurde zudem von einer tiefen religiösen Verantwortung u. a. für in Not geratene Mitmenschen geprägt. Beispielhaft sei genannt, dass in Zeiten der Hungersnot in den Jahren 1816/17 zahlreiche Arme im Cappenberger Schloss beköstigt wurden. Darüber hinaus ließ Stein den Pfarrern der Nachbargemeinden Geld zur Verteilung an Bedürftige anweisen und Opfern von Brandkatastrophen wurde unbürokratisch Hilfe durch Geld- und Sachspenden für den Wiederaufbau zuteil. Hiervon geben vereinzelt Giebelinschriften an alten Bauernhäusern Zeugnis. Zahlreiche junge Menschen erhielten durch Stein eine Unterstützung ihrer Berufsausbildung.

Insofern kann der Freiherrn vom Stein, seine Ideen und persönliches Handeln, welches er auch im heutigen Selm entfaltete, Vorbild für die künftige Tätigkeit der Bürgerstiftung Selm sein.

 

 

Dr. Franz-Peter Kreutzkamp

 

 

 

 

Quellen:

 

Literatur:

 

Botzenhardt, Erich; Hubatsch, Walter; Wallthor, Alfred Hartlieb von; (Hrsg.),  Freiherr vom Stein – Briefe und amtliche Schriften, Januar 1819 bis Mai 1826, 6. Band, Stuttgart 1965, S. 574

Kreutzkamp, Franz-Peter: Bauernbefreiung auf Cappenberg, Diss. Münster 2003, S. 81; a.a.O. S.87 f.

Lappe, Josef: Freiherr vom Stein als Gutsherr auf Kappenberg, Münster 1920, S. 161 ff.

Siegeroth, Aloys: Altlünen-Die Geschichte der Gemeinde Altlünen, 2. Aufl., Lünen 1974, S. 78

 

Bildnachweis:

 

Nicole Grommek, 2010, Selm-Cappenberg

 

Internet:

 

http://www.bundestag.de/dokumente/rechtsgrundlagen/grundgesetz/gg_02.html

http://www.lwl.org/LWL/Kultur/Aufbruch/popups/politik/modernisierer
/Nassauer_Denkschrift/index_popup1_html

http://de.wikipedia.org/wiki/Bürgerstiftung

http://de.wikipedia.org/wiki/Nassauer_Denkschrift

http://de.wikipedia.org/wiki/Stiftung

 

m.w.N.

 

Weitere Informationen zum Freiherr vom Stein erhalten Sie unter

 

http://www.fvsg-online.de

 

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